Tag 3: Nobles Camp bis Big Cypress Church
Nach den Strapazen der Vortage lassen wir es heute mal entspannter angehen. Zum Morgen gibt es gleich zweimal Kaffee und dann spazieren wir los. Der Florida Trail führt seit der Interstate 75 über (Schotter)Straßen – und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Wir freuen uns über jeden Alligator, den wir im Wasser erspähen und lauschen den Geräuschen im Busch.🐊
Unsere Hoffnung auf kalte Getränke und einen Snack wird leider getrübt als wir vor einem verschlossenen Tor des Billie Swamp Safari Camp stehen. Das Camp ist zwar geschlossen, das Café soll aber offen sein. Wie wir rausfinden aber leider nicht montags. Also machen wir Pause im Schatten einer Palme.



Weiter geht es in sengender Hitze die schattenlose Straße entlang. Kurz vor Big Cypress biegen wir auf den Friedhof ab. In den Toiletten ist es wunderbar kühl, es gibt Trinkwasser und Steckdosen. Das nutzen wir, denn wir haben noch keine Rückmeldung vom Pastor der örtlichen Kirche. Etliche Zeit später wandern wir die letzten hundert Meter zur Kirche und rufen den Pastor an. Der kommt auf seinem Golfplatzwagen angesaust und heißt uns willkommen. Wir können duschen, im Gras campen, das Chickee mit den Bänken nutzen und unsere Geräte aufladen.
Es wird ein herrlich relaxter Nachmittag, den wir auf den Bänken verbringen bis ein Gewitter über uns losbricht und wir uns in unsere Zelte verkriechen. Es ist ja sowieso längst Schlafenszeit… 😴



Tag 4: Big Cypress Church bis Stormwater Treatment Area (STA) 5/6
Der Florida Trail ist – mal abgesehen von den zwei Tagen im Big Cypress Nature Reserve – auf den ersten rund 250 Kilometern nicht gerade bekannt für verschlungene Wege und atemberaubende Aussichten. Vielmehr muss man sich auf einen langen, langen Roadwalk einstellen. Immerhin werden wir heute auf 30 Kilometern wenigstens viermal abbiegen. Das ist aber auch schon das Maximum an Abwechslung bezüglich des Streckenverlaufs.
Nach der gewittrigen Nacht sind unsere Zelte am Morgen überraschend trocken. Der Platz nah am Wald war zwar eine mückentechnische Katastrophe, hat aber durchaus seine Vorteile angesichts der Kondensation bewiesen. Kurz vor 8 zuckeln wir also los. Das Frühstück haben wir uns verkniffen, denn in fünf Kilometern stoßen wir auf Big Cypress Landing, das eine gute Auswahl an Snacks, Kaltgetränken und sogar einem Grill verspricht. Kaum haben wir die Tür aufgemacht, werden wir auch schon umarmt. Die Betreiberin ist heißt uns wärmstens willkommen, findet es total klasse, was wir machen und sagt, wir sollen uns wie zu Hause fühlen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Die Arme voller Eiskaffee, Gatorade, Müsliriegeln und Chips geht’s zur Kasse. Vor dem Aufbruch genehmige ich mir noch ein gutes Frühstück mit Eiern, Speck, Hash browns und Toast.
Die Schildkröte und der Esel
Schnurgerade folgen wir der Straße raus aus Big Cypress. Als wir eine Kuhwiese passieren, müssen wir spontan den Atem anhalten. Der Geruch steigt einem beißend in die Nase. Bloß weg hier! Da sind die zwei Esel, die fröhlich zum Zaun gelaufen kommen, schon was anderes. Wir folgen der ersten Abbiegung und legen eine Pause mitten auf dem Feldweg ein. Verkehr oder andere Wanderer sind eh nicht zu erwarten und auch kein schönerer Pausenplatz. Ein bisschen harter Boden ohne Kuhdung tut’s auch.



Der Feldweg ändert sich zu einer breiten Schotterstraße. An der Confusion Corner werden wir von einem netten Mitarbeiter der dortigen Wasseranlage gefragt, ob wir Wasser bräuchten. Denn obwohl der Weg immer am Kanal entlang führt, wird nicht empfohlen, aus diesem zu trinken. Zum einen wohnen hier hinreichend Alligatoren – das größere Problem sind jedoch die Schadstoffe, die durch die Landwirtschaft ins Wasser gelangen. Da wir genügend Liter dabei haben, bedanken wir uns und ziehen weiter.
Zum Highlight des Tages werden heute (neben dem grandiosen Frühstück):
- eine kurze Umleitung des Florida Trails (wenn auch nur auf eine weitere ellenlange Straße)
- eine Schildkröte, die gerade vor uns den Weg überquert
- ein seltenes Schattenplätzchen hinter einem Trafohaus
- und unser Ziel
Am Ziel gibt es nämlich nicht nur supersaubere Toiletten, sondern auch Schatten und Picknickbänke. Der ultraharte Kalksteinboden wehrt sich zwar erfolgreich gegen unsere Heringe und das Wasser aus der Pumpe schmeckt nach Schwefel, aber wir sind trotzdem absolut dankbar über diesen schönen Platz. Wir sitzen noch bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit draußen und flüchten rechtzeitig zur Moskitostunde in unsere Zelte.




