Raus aus der Stadt – 5 Tage Bikepacking aus Berlin

Ab und zu dem (Arbeits-) Alltag entfliehen und die Natur genießen, den Lärm der Stadt hinter sich lassen und einfach mal abschalten – gar nicht so einfach, wenn man nur begrenzt Urlaub hat. Dabei reichen oft auch schon wenige Tage, um kleine Abenteuer zu realisieren. Unkompliziert und schnell muss die Planung sein, ohne lange Anreise oder Logistik. Und so schwingen wir uns im Frühjahr rund um Himmelfahrt direkt vor der Haustür in Berlin auf die gepackten Bikes und radeln raus nach Südwesten.

Tag 1 – Einfach erstmal raus aus der Stadt

Über hubbelige Trails, die meist eher für Reiter gedacht sind, treten wir durch Sand, Kiefernwälder und an der gemächlich fließenden Nuthe entlang. Wir entdecken neue Seen und dass jede Freiwillige Feuerwehr einen Party-Pavillion hat. Es gibt einen groben Plan über den Hohen Fläming nach Ferropolis und zur Dübener Heide – fünf bis sieben Tage, je nachdem, wann die Powerbanks leer sind. Der erste Tag führt uns von Lichterfelde in Berlin fast stetig durchs Grüne. Ziel: der Forst Zinna bei Luckenwalde und Jüterbog. Dort finden wir außerhalb des Naturschutzgebiets eine Lichtung mit zahlreichen Sitzbänken, teilweise überdacht, einen Aussichtsturm und sogar eine kleine Theke, in der wir die Räder unterstellen können. Perfekt!

Tag 2 – Durch die Sümpfe zum Mittelpunkt der DDR

Ganze viermal nassgeregnet, aber die Klamotten trocknen zum Glück genauso schnell! Heute geht’s unter anderem durch das wunderschöne Naturschutzgebiet Zarth, wo wir eine Schwanenfamilie beobachten konnten, bei der Mama oder Papa drei kleine Schwäne auf dem Rücken transportierte. Einen tollen Ausblick über die knallgelben Rapsfelder genießen wir bei den Belziger Landschaftswiesen. Ziel ist heute der Hohe Fläming. Nach einem Abstecher zum (Massen)Mittelpunkt der DDR und zu einem Lost Place suchen wir uns ein Plätzchen im Wald. Wasser für Tee und ein heißes Abendessen gibt es beim sehr nobel klingenden Artesischen Brunnen.

Tag 3 – Von der Burg zum Bergmolch

Was für ein genialer Tag, mal ganz ohne Regen! Bei 22 Grad geht es runter nach Bad Belzig zu einem leckeren Döner und vorbei an der für diesen kleinen Ort beeindruckenden Burg Eisenhardt. Zu gern hätten wir einen Tag in der Steintherme verbracht, aber das muss wohl auf den nächsten Ausflug warten. Entlang der Plane haben wir auf dem alpinen Bergmolchtrail jede Menge Spaß und tolle Aussichten. Den kleinen Molch bekommen wir leider nicht zu sehen, aber der Trail an sich ist schon superschön. Nachdem uns am Feiertag der Kaffee ausgegangen ist, fragen wir zaghaft am Campingplatz nach, der 10 Kilometer vor unserem eigentlichen Ziel lag. Und weil wir schonmal hier sind, schlagen wir gleich unser Zelt auf und beenden den Tag spontan bei einem Radler.

Tag 4 – Barockschlösser, Quarzmonster im Wald & die Stadt aus Eisen

Die heutige Etappe ist mal wieder super spannend und abwechslungsreich! Vom Zeltplatz folgen wir noch ein paar Kilometer dem schönen Bergmolchtrail, dann ging es ab nach Süden. Ein wenig auf Abwegen entdecken wir eine alte, schier endlose Quarzförderanlage mitten im Wald. Nach einer etwas längeren Drohnenbergungsaktion (aus einer Kiefer) geht es weiter zum Apollensberg mit einem herrlichen Blick über die Elbe. In Coswig können wir endlich unsere Vorräte auffüllen (allen voran noch immer Kaffee). Mit der Fähre setzen wir über, passieren den hübschen Wörlitzer Park (Fahrräder leider verboten) und Oranienbaum mit prunkvollem Schloss. Am Gremminer See angekommen bietet sich ein großartiger Ausblick auf die mächtigen Kolosse von Ferropolis. Der fast volle Mond rundet die mystische Atmosphäre perfekt ab. 

Tag 5 – Von den Eisengiganten in Ferropolis zum Försterteich

Von den umliegenden Wäldern mit Ausblick auf die Halbinsel radeln wir heute gut vier Kilometer nach Ferropolis und gönnen uns einen Spaziergang durch die Geschichte des regionalen Bergbaus. Medusa, Big Wheel, Mosquito, Gemini und Mad Max – die Namen dürften so manch einen an berühmte Filmfiguren und Fabelwesen erinnern. Tatsächlich verbergen sich hinter den fantasievollen Namen gigantische Zeitzeugen des Bergbaus in Sachsen-Anhalt. Rund anderthalb Stunden spazieren wir zwischen den eindrucksvollen Eisenriesen, die man aus nächster Nähe betrachten und bestaunen kann. Gemini, den knapp 2.000 Tonnen schweren Absetzer, dürfen wir sogar begehen. Wer in der Nähe ist, sollte sich die tolle, wirklich einzigartige Ausstellung nicht entgehen lassen.  

Mit der Hoffnung auf einen leckeren, warmen Imbiss drehen wir eine Runde durch Gräfenhainichen und landen dann doch auf dem Parkplatz der örtlichen Lidl-Filiale mit furchtbar süßer, blauer Fanta und Wraps aus dem Kühlregal. Besser als nix. Explizit als Wolfs-Streifgebiet ausgezeichnet empfängt uns die Dübener Heide mit einem langgezogenen Aufstieg und dann immer wieder auf und ab wie eine Achterbahn. Mit dem Einsetzen der Schlechtwetterfront erreichen wir unser Tagesziel, den idyllischen Försterteich mit einer kleinen Schutzhütte. Zeit fürs Abendessen und einen heißen Tee.

Tag 6 – Matschschlacht durch die Dübener Heide

Nach fünf tollen Tagen, an denen das Wetter (zumindest entlang unserer Route) immer besser war als der Wetterfrosch es vermuten ließ, beenden wir am heutigen sechsten Tag unsere „Tour du Sud de Berlin“. Da der Regen am Morgen unaufhörlich aufs Zelt prasselt, haben wir es nicht eilig, loszuradeln. Also schnell raus aus dem Zelt, rein in die Schutzhütte und ein bis drei Kaffee gekocht. Und siehe da: Um 12 Uhr eine Regenpause! Die Niederschläge haben allerdings Spuren hinterlassen und die Wege ordentlich aufgeweicht. Matsch, Sand, Gräser, Pollen – alles findet sich irgendwo am Rahmen und an den Taschen wieder. So schön, dass ein Vogel direkt drin nisten könnte.

Fröhlich durch Pfützen spritzend rollen wir also durch Wald, Feld und kleine Dörfer Richtung Lutherstadt Wittenberg. Bislang sind wir von oben verschont geblieben. Das soll sich aber fünf Minuten vor Ankunft am Bahnhof ändern. Dicke, dunkle Wolken holen uns ein und hinterlassen uns triefnass beim Überqueren der Elbe. Das Wasser läuft von der Regenjacke in meine Hose und von dort am Bein entlang in Socken und Schuhe. Die Schaffnerin ist begeistert, als wir in den Zug springen und eine Wasserlache hinterlassen. 

Sechs tolle Touren gehen damit mit knapp 300 Kilometern zu Ende. Sicher für manche ein Klacks. Aber wir haben wie so oft uns für die naturnahen und teilweise nicht ganz einfachen Wege entschieden. Unsere Hintern haben uns nun endgültig zu verstehen gegeben: Schafft euch gepolsterte Klamotten an. 😉

Falls du die Tour nachradeln oder als Inspiration nutzen willst, findest du sie hier:

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