Tag 31: McDermitt zur Three Forks Recreation Site und Hot Springs
Die letzten Tage haben uns im Zeitplan zurückgeworfen. Krank sein mit limitiertem Zeitbudget auf einem Trail ist nie gut. Das hatte Amazon schon auf dem PCT zu spüren bekommen, als sie ein paar Etappen überspringen musste. Und nun müssen wir auch hier wieder kreativ werden. Ganze vier Tage mussten wir dank meiner Krankheit aussetzen.
Für eine der nächsten Durststrecken – sprich heiße Tage mit quasi keinen Wasserquellen – konnten wir Jeff vom Calamity Butte Service gewinnen, für uns auf dieser Strecke Wasser zu verstecken. Gegen eine angemessene Gebühr, versteht sich. Und so kam uns die Idee, ihn zu fragen, ob er uns dabei mitnehmen und an der Three Forks Recreation Site absetzen würde. Somit könnten wir die bevorstehende 5-Tages-Etappe auf etwa zweieinhalb Tage verkürzen. Jeff hat damit kein Problem und so treffen wir ihn heute morgen an der Burns Junction, nachdem uns ein netter LKW-Fahrer von McDermitt aus dorthin mit an Bord nimmt.
Zu dritt machen wir uns auf die Reise, über lange Schotterstraßen und entlang alter Farmen. Jeff gibt sich beim Wasserverstecken besonders viel Mühe und vergräbt unsere Gallonen sogar. Zum einen, um sie unsichtbar zu machen, aber auch, damit das Wasser darin einigermaßen kühl bleibt. Gegen 13 Uhr Mountain Time (wir haben heute die Zeitzone gewechselt und eine Stunde verloren), sind wir damit durch. Am Rande des Owyhee Plateaus verabschieden wir uns von Jeff und wandern in den Canyon zum Owyhee River.



Es ist irrsinnig heiß und drückend. Nachdem wir in einer kleinen geschützten Stelle mit tropischen Flair unsere Zelte aufgebaut haben, nehmen wir ein Bad im Fluss. Einzigartig! Und so ein Unterschied zur Trockenheit ringsherum. Anschließend packen wir nur die nötigsten Sachen ein und machen uns auf den Weg zur Three Forks Hot Springs, die rund fünf Kilometer entfernt liegt. Wir überqueren eine Brücke, laufen entlang beeindruckender Felsformationen, bewundern den Owyhee River von oben und stehen dann wieder an seinem Ufer.
Da die Hot Springs auf der anderen Flussseite liegen, müssen wir da irgendwie durch. Die Strömung ist allerdings heftig und der Fluss tief. Nach ein paar Minuten scouten stellen wir fest, dass wir hier nicht rüberkommen. Nur ein paar Schritte weiter haben zwei Männer ihr Lager aufgeschlagen. Eher um uns ein Kaltgetränk zu erschleichen, schlappen wir zu ihnen rüber und fragen, ob wir hier mal schauen können, ob wir dort über den Fluss kommen.
Tim ist sofort zur Stelle und zeigt uns den Abschnitt, wo die beiden durch den Fluss gegangen sind. Um uns die letzten Zweifel zu nehmen, geht er selbst rein und demonstriert, wie tief das Wasser ist. Tatsächlich geht es auch ihm bis zur Brust, aber es schaut machbar aus. Also schlürfen wir ein Schluck vom eiskalten Bier, das uns Phil gleich nebenbei in die Hand gedrückt hat und machen uns an die Flussüberquerung. Durchaus nicht ohne Hadern, denn die Strömung hat es auch hier in sich und wir können uns nur schwer aufrecht halten. In der Flussmitte stehend, debattieren wir eine Weile, ob wir das jetzt machen oder nicht. Schließlich sind wir noch nicht mal an der tiefsten Stelle angekommen.
Am Ende nehmen wir all unseren Mut zusammen und kämpfen uns weiter zum anderen Ufer. Soweit so gut! Über‘s Zurückkommen machen wir uns später Gedanken. Erstmal klettern wir in Badelatschen an einem Seil einen Felsen hoch und genießen lange, lange die angenehm warmen Quellen (bei rund 35 Grad Außentemperatur 😂). Aber auch der Rückweg durch den Fluss klappt gut. Die Scheu haben wir abgelegt, denn nun haben wir ja keine Wahl mehr. Zwar reißt es mir zwischendurch mal die Beine weg, aber ich paddel mit der Strömung einfach zum anderen Ufer.
Als wir uns bei Tim und Phil für die Biere und das respektvolle Mutmachen bedanken, bekommen wir noch kühle Limonaden, Donuts, Schokolade und Brötchen in die Hand gedrückt. Sie bieten uns noch weit mehr an, aber mehr können wir gerade nicht essen. Satt und zufrieden begeben wir uns wieder auf den Rückweg zu unseren Zelten. Was für ein schöner Tag und eine gelungene Rückkehr in die Wildnis!






Tag 32 Three Forks Recreation Site zur Arritola Place Road
Es ist 6 Uhr morgens. Eigentlich erst 5 Uhr für uns, denn erst gestern haben wir die Grenze zwischen Pacific Time und Mountain Time überschritten. Aber da wir beide nun eh schon wach sind, wollen wir die kühlen Morgenstunden ausnutzen und machen uns auf den Weg. Während die Sonne langsam immer tiefer in den Canyon scheint, verlassen wir den Owyhee River mit jedem Schritt weiter und steigen zum Plateau auf. Der Ausblick hinunter ist atemberaubend.
Durch wuscheliges Gras geht es Cross Country weiter, bis wir auf die Three Forks Road wechseln, die wir gestern noch mit dem Auto in die andere Richtung gefahren sind. Ein einzelnes schattiges Plätzchen unter einem Sagebrush verlockt uns zu einer Pause, bevor die Sonne im Zenit steht. Ein paar Minuten später nähert sich ein Auto an. Es sind Tim und Phil, die auf dem Heimweg in die Hood River Region sind. Nicht aber, ohne uns noch vorher mit Bierchen, Brötchen und allerlei Überbleibseln zu versorgen. Mit einer Umarmung verabschieden sie sich und wir winken ihnen ein wenig wehmütig hinterher.
Unser nächster Stopp ist der Owyhee Canyon Overlook, wo wir gestern erst unsere Gallonen mit Wasser vergraben haben. Ohne Schatten, dafür aber mit ein wenig Windhauch füllen wir unsere Flaschen auf und genießen das Panorama über die Schlucht.
Nach vielen, vielen Schotterstraßenkilometern biegen wir wieder in die Wildnis ab und folgen ab und zu Kuhpfaden zu einem größeren Tümpel, der zwar tolles Wasser hätte, aber mit Kuhdung getränkt ist. Selbst das Überqueren ist mehr als unschön. Wasser nehmen wir hier nicht mit. Das wartet nach weiteren grasigen Abschnitten ohne Weg an einer abgelegenen Kreuzung zweier Feldwege auf uns.
Um 18.30 Uhr wollen wir eigentlich nur noch in unser Zelt fallen. Allerdings haben wir die Rechnung ohne die Sonne gemacht. Denn die geht nach Mountain Time erst in drei Stunden unter und es herrschen rund 35 Grad (im Schatten). Also verkriechen wir uns unter einen Sagebrush und warten, bis die Sonne so tief steht, dass wir nicht mehr spontan verglühen. Ich entscheide mich fürs Cowboy Camping, um ein wenig Wind um die Nase zu bekommen, während Amazon in ihrem Zelt dahinschmilzt.
Das kann noch heiter werden. Heiße Tagestemperaturen sind an sich okay, wenn man diese durch Nachtwandern umgeht und dann zur heißesten Zeit eine Siesta macht. Auf dem Oregon Desert Trail aber nicht möglich, da es keinen Schatten gibt …






Tag 33: Arritola Place Road nach Rome Station (Jordan Valley)
Nachts um 4. Eine Sternschnuppe fliegt über mich hinweg. Es ist endlich schön kühl – perfekte Schlaftemperatur. Leider hat der Wecker schon geklingelt … Ich drehe mich noch ein paarmal um und höre dann auch Amazon in ihrem Zelt rumoren. Der letzte Tag, die Hitze und die noch beträchtliche Distanz – 31 Kilometer – nach Rome zwingen uns, zu unchristlichen Zeiten aufzustehen. Ein heißer Kaffee, ein wenig Scharren im Dunkeln und um 5.30 Uhr sind wir auf dem Trail.
Erst eine Stunde später geht die Sonne auf. So schwer mir das zeitige Aufstehen auch fällt – in den Sonnenaufgang zu wandern ist etwas ganz besonders Schönes! Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die Haut treffen und die Landschaft in warmem Orange erstrahlen lassen. Wir nutzen die angenehmen Temperaturen vollends aus und gönnen uns gerade mal eine kurze Pause zum Snacken und Eincremen mit dem wenig erfolgreichen Versuch, Schatten unter ein paar hohen Grashalmen zu finden.
Eine Hinterlandstraße führt uns wieder näher zum Owyhee Canyon, allerdings weit über dem Fluss entlang. Faszinierenderweise findet jede von uns kurz nacheinander ein kleines Geweih, das wir natürlich mitnehmen. Genauso wie zahlreiche Steine. Ähem. Über einen steilen weglosen Abhang steigen wir zur Rome Launch Site hinab und von dort ist es nur noch ein Katzensprung über den Angst einflößenden Highway, auf dem die fetten LKWs mit Mordstempo direkt neben uns vorbeirauschen.
Heil und lebendig in Rome Station angekommen, pfeifen wir uns Salate, Kuchen, Grilled Cheese und jede Menge Kaltgetränke rein. Leider ist der Ort ausgebucht, daher müssen wir ins 50 Kilometer entfernte Jordan Valley hitchen. Fast eine Stunde müssen wir den Daumen raushalten, bevor uns ein netter Mensch vom BLM (Bureau of Land Management) auf Vogeluntersuchung nach Jordan Valley mitnimmt. Hier werden wir noch einmal einen ganzen Tag verbringen, bevor es auf die finale Etappe geht!








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