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Florida Trail 3: STA 5/6 – Mile 100

4–5 Minuten

STA 5/6 to L1-E campsite

Der Blick auf die Karte lässt für den heutigen Tag vermuten: Ich bin nur mal zwischen Zelt und Klo hin- und her spaziert. Denkste! Zwischen A und B liegen satte 28 Kilometer. Einfach nur geradeaus. Ich kann euch sagen, da braucht man entweder echt gute Musik, ein Hörbuch oder jemanden zum Quatschen.

Da die Sonne in Florida ja erst zu später Stunde aufgeht, schaffen wir es am Morgen mal wieder nicht vor 8 auf den Trail. Vielleicht ist es auch die (nicht vorhandene) Aussicht, die uns die Sache locker angehen lässt. Der Himmel ist wolkenverhangen und es ist kühl. So haben wir es uns gewünscht, denn auf dem Stück heute ist wieder kein Schatten zu erwarten und die Wasserquellen rar. Um genau zu sein verlassen wir uns auf einen Wassercache in rund 23 Kilometern, in dem noch etwa drei Liter vorhanden sein sollen. Kaum genug für Amazon und mich zusammen, aber es sollte uns über die Nacht und bis zum übernächsten Wassercache in weiteren rund zwölf Kilometern bringen.

Frieren in Florida

Die Temperaturen sind erstaunlich gefallen, der Wind bläst uns um die Ohren und immer wieder werden wir von Regen überrascht. Sollte es doch gar nicht. Umso glücklicher sind wir über unsere Regenjacken, die uns einigermaßen trocken und warm halten. Der einzige Pausenplatz (der sonst Schatten spendet) gibt uns ein bisschen Ruhe vor dem Nass von oben. Uns ist so kalt, dass wir uns Kaffee und Tee kochen und sogar unsere Schlafsäcke drüberlegen. Und das in Florida im Frühling!

Die erhofften drei Liter sind tatsächlich noch in den Wassercontainern vorhanden und damit ist der Cache dann auch leer. Weiter geht es, immer weiter geradeaus. Die erste Kurve des Tages kommt dann auf einmal doch überraschend früh, sodass wir uns überlegen, noch ein Stück weiter zu gehen. Die Alternative ist allerdings ein Platz, an dem Nachts wohl regelmäßig die Züge der Zuckerrohrmühle vorbeidonnern. Also lassen wir den Tag einen guten Tag sein und schlagen früh unsere Zelte auf. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend und als es dunkel wird, sind wir froh, hier geblieben zu sein: immer wieder tuten die Züge laut und hörbar und auch das Licht scheint direkt in unsere Zelte. Dabei sind wir noch rund 3,5 Kilometer von den Schienen weg. Manchmal muss man halt auf seinen Bauch hören. 🚂

L1-E Campsite bis Mile 100

Die letzte Etappe auf meinem Section Hike steht heute an. Als Ziel habe ich mir persönlich das Erreichen der 100-Meilen-Marke (160 Kilometer) auf dem Florida Trail gesetzt. Das ist eine schöne runde Zahl und definitiv erreichbar. Auch, wenn wir dafür heute leiden müssen, denn Schatten brauchen wir uns gar nicht erst zu erhoffen.

Wir setzen den Trend fort, jeden Tag später loszukommen. Über den Deich geht es Richtung Bahnschienen und nachdem der Zug einmal an uns vorbeibrettert, wissen wir, dass wir hier kein Auge zugetan hätten. Vor uns steigen Rauchschwaden auf, aber inzwischen ist uns klar, dass hier einfach die Zuckerfelder zur Ernte abgebrannt werden. Überhaupt werden wir auf diesem Abschnitt zu Experten in der lokalen Landwirtschaft. Wir passieren die Erntehelfer auf dem Feld und sehen einen vollbeladenen Truck mit nach Räucherfisch duftendem Zuckerrohr nach dem anderen an uns vorbeiziehen. Das wiederum wird in die Züge verladen, die trötend durch die flache Landschaft tuckern. Und ein Bauer sorgt mit seinen exzellenten Flugkünsten für weitere Unterhaltung. Die braucht es auch, denn von oben brennt die Sonne und statt Trail gibt es weiterhin nur Straßen zu laufen. 🔆

Nach rund 19 Kilometern erreichen wir das wohl unheimlichste Postamt der USA. Mitten im Nirgendwo und ob das nun offen ist oder geschlossen, lässt sich nicht wirklich sagen. Zumindest scheint es von Katzen betrieben zu werden, die sich auf der Veranda dort niedergelassen haben. Kurz danach kommen wir am Rand von Lake Okeechobee an, der hinter einem Deich versteckt liegt. In einem kleinen Park gönnen wir uns eine kurze Pause, denn hier gibt es erstmalig Schatten.

Bis zur 100-Meilen-Marke sind es nur noch neun Kilometer, aber die haben es in sich. Der Abschnitt um den gigantischen See ist insgesamt 100 Kilometer lang – egal in welche Richtung – und führt komplett auf dem asphaltierten, schattenlosen Deich entlang. Selbst die neun Kilometer machen uns dröge. Die Sonne brennt aufs Haupt und die Füße schmerzen auf dem immer gleichbleibenden Bodenbelag. Lediglich ein heruntergekommener Picknickplatz spendet mal 2×2 Meter Schatten. Nur noch eine Meile! Die schaffen wir jetzt auch noch. Natürlich gibt es an den 100 Meilen absolut nichts, was darauf hinweist. Also verlasse ich mich auf die Angabe in FarOut, pinsele mit Sonnencreme meinen eigenen Marker und mache mein traditionelles Zielfoto. 💯

Und nun heißt es: Bloß runter vom Deich und ab in die Stadt. Gar nicht mal so einfach, denn selbst UBER-Fahrer verirren sich nicht hierher. Am Ende bequemt sich doch noch eine Lyft-Fahrerin zu uns und wir verbringen den Rest des Tages in Clewiston nur fünf Minuten vom Walmart entfernt mit Pizza, Bier, Eiscreme, kühlen Getränken, Smoothies und allem, was der Körper nach den Strapazen so verlangt. Ich freue mich auf die nächste Etappe auf dem Florida Trail und weiß aber insgeheim: Die um den See wird es nicht sein. Die mache ich dann doch eher irgendwann mal mit Inlineskates oder als Nachtwanderung. 🌃

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