| | |

West Highland Way 1: Milngavie – Loch Lomond

2–3 Minuten

Schafe, Whisky und Weiden – Willkommen auf dem West Highland Way

Zum ersten Mal in Schottland, haben wir uns vorgenommen, dieses malerische Land zu Fuß zu erkunden. Und zwar nirgends anders als auf dem legendären West Highland Way. Über rund 160 Kilometer führt der Fernwanderweg von Milngavie bis nach Fort William durch einige der eindrucksvollsten Landschaften Schottlands. Er verläuft durch Wälder, über offene Hügel, am Ufer des Loch Lomond entlang und später hinein in die rauen Highlands. Entlang der Route liegen mehrere Möglichkeiten für einen Abstecher zu Whisky-Destillerien, und am Ende lässt sich die Wanderung mit einer Besteigung des Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands, erweitern.

Tag 1: Milngavie bis Drymen

Nach einer kurzen Zugfahrt von Glasgow starten wir nördlich der schottischen Hauptstadt in Milngavie unter einem Himmel, der sich nicht entscheiden kann. Am Obelisken schultern wir unsere Rucksäcke, verlassen die letzten Straßen und tauchen bald in das feuchte Grün des Mugdock Country Parks ein, in dem gerade eine Laufveranstaltung stattfindet. Dutzende ambitionierte Läufer überholen uns – einer nach dem anderen. Unser Weg führt über Wiesen, an Steinmauern vorbei und durch kleine Waldstücke. Bei der Glengoyne Distillery riecht die Luft nach feuchtem Holz und Erde – und natürlich nach Whisky. Einen kurzen Blick hinein lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Immer wieder reißt die Wolkendecke auf, dann glänzen Farne, Weiden und matschige Pfade im kurzen Licht. Am Abend finden wir einen geschützten Platz im Wald. Zwischen Moos, Wurzeln und nassen Stämmen bauen wir unser Zelt auf und versuchen uns daran, ein Feuer zu entfachen – vergeblich. Das Holz ist viel zu nass. Später stehen plötzlich Schafe zwischen den Bäumen, schauen neugierig zu uns herüber und verschwinden ebenso leise, wie sie gekommen sind.

Tag 2: Drymen bis Sallochy Camp

Am zweiten Tag wandern wir weiter Richtung Drymen. Das Dorf wirkt freundlich und ruhig, mit seinen Häusern, Hecken und Pubs, bevor der Weg wieder offener wird. Hinter Garadhban Forest steigt das Gelände an. Der Wind frischt auf, die Wolken hängen tief, und vor uns erhebt sich der Conic Hill. Der Aufstieg ist steinig und aussichtsreich, doch oben bleiben wir kaum stehen. Unzählige Midges schwirren um unsere Gesichter, kriechen unter Kapuzen und treiben uns weiter. Trotzdem sehen wir Loch Lomond unter uns liegen, grau und weit, mit dunklen Inseln im Wasser. Der Abstieg nach Balmaha ist nass, steil und wunderschön. Unten am See schlagen wir unser Zelt nah am Wasser auf. Die Wellen rollen leise ans Ufer.

Tag 3: Sallochy Camp bis Loch Lomond

Am dritten Tag folgen wir dem Ufer des Loch Lomond nach Norden. Der Weg wird wilder, wurzeliger und enger. Rechts liegt der See, links steigen bewaldete Hänge auf. Mal regnet es fein, mal bricht Sonne durch die Zweige. In Rowardennan sitzen vor einer heißen Pizza, die nach mehr schmeckt. Aber es liegen noch etliche Kilometer heute vor uns.

Wir passieren kleine Buchten, bemooste Steine und stille Abschnitte, in denen nur Wasser und Schritte zu hören sind. Dabei kommen wir auch an der rustikalen Rowchoish Bothy vorbei – zu früh jedoch für uns, um hier auf der Steinplattform zu übernachten. Schade, zu einem Lagerfeuer hätte ich nicht nein gesagt. Einen Blick hinein riskieren wir dennoch.

Nach vielen Kilometern am malerischen Ufer des Loch Lochmond entlang finden wir einen Kiesstrand, bauen unser Zelt auf und schauen hinaus auf das dunkle Wasser. Morgens geht’s zur ersten richtigen Unterkunft!

Ähnliche Beiträge