Fünf Seen – Seit Juni 2026 endlich verbunden
Senftenberger See, Geierswalder See, Partwitzer See, Sedlitzer See und Großräschener See – Wenn man heute mit durch diese Landschaft mit türkisblauen Seen und einladenden Sandstränden streift, ist es kaum vorstellbar, dass diese die Relikte von umfangreichem Braunkohleabbau sind. Wo einst gigantische Schaufelradbagger regierten, darf heute gebadet, geradelt und erholt werden. Und gepaddelt. Und das im großen Stil, denn seit dem 29.6.2026 sind die fünf Seen in der Lausitz miteinander verbunden. Schon vor einiger Zeit hatte ich mir angesichts dessen einen Platz für mein Zelt im Hafencamp am Senftenberger See gebucht. Ziel: Alle fünf Seen mit dem Packraft erpaddeln.
Tag 1: Die ersten drei Seen
Freitag morgen geht’s also los. Mit Sack und Pack, fünf Litern Wasser und kühlen (alkoholfreien) Bierchen. Obwohl es schon halb zehn ist, ist hier so gut wie nix los. Weder auf dem Wasser, noch an den Stränden.


Mit dem Koschener Kanal biege ich in den ersten Verbindungskanal der Lausitzer Seenkette ein. Er verbindet den Senftenberger See mit dem Geierswalder See. Ich paddele durch abenteuerliche Tunnel mit Ampelsystem und die Selbstbedienungsschleuse habe ich ganz für mich allein. Die überbrückt übrigens einen stolzen Höhenunterschied – gefühlt fast zwei Meter! Wer mag, kann hier am Steg anlegen und in der Schleuse einen Happen essen. Allerdings erst ab 11 Uhr. Ich bin also ein Stück zu früh unterwegs.


Auf zum Rostigen Nagel
Auf dem Geierswalder See paddele ich gegen einen noch recht harmlosen Wind an. Trotzdem stelle ich auf halber Strecke zum Barbara-Kanal fest, dass ich die Durchfahrtszeit um 11.30 Uhr knapp verpassen werde. Hier darf nämlich nur zur halben Stunde ostwärts eingefahren werden. Also ändere ich spontan meinen Plan und besuche den Rostigen Nagel nicht erst morgen, sondern heute schon.
Der Sornoer Kanal führt mich zu dem markanten Aussichtsturm. Hier habe ich jetzt die Wahl: super flink ein paar Fotos schießen, wieder ins Boot springen und die Durchfahrtszeit zurück durch den Sornoer Kanal noch schaffen – oder ein Grubenradler mit Pommes und dazu den Ausblick vom Rostigen Nagel genießen. Wer mich kennt, kennt die Entscheidung. 🍺 🍟




Und so steige ich erst um kurz vor 13.30 Uhr wieder in mein knallgelbes Packraft und lasse mich vom Wind zurück nach Süden treiben. Mit der Konsequenz, dass ich nun 45 Minuten vor dem Barbara-Kanal herumdümpeln muss. Ja. Für die Durchfahrtszeiten der Kanäle braucht man viel Zeit und/oder gute Planung. 😅
Um halb drei binde ich mich von dem Wartesteg (oder wie die Teile auch heißen) wieder ab und verlasse den Geierswalder See zugunsten des Partwitzer Sees. Trotz recht eindrucksvollem Wellengang schimmert das Wasser hier wie in der Karibik.


Ich kämpfe immer mal mit einer heftigeren Windböe von vorn, aber um 15.30 Uhr erreiche ich schließlich mein Tagesziel: den Rosendorfer Kanal. Fix ausgebootet und ein Plätzchen beim kleinen Kiefernwald gesucht. Von hier beobachte ich die Boote, die mal in die eine, mal in die andere Richtung fahren. Etwa drei Stunden später stößt dann meine bessere Hälfte zu mir – gewandert vom etwa drei Kilometer entfernten Ort Lieske. Morgen geht es also zu zweit weiter.




Tag 2: Die Runde rund machen
Das heutige Ziel des Tages ist einfach: die restlichen Seen der Lausitzer Seenkette erpaddeln und den Kreis am Hafencamp schließen. So weit, so gut. Da ich den Rostigen Nagel gestern schon in meine Tour eingebaut hatte, lassen wir uns mit dem Start ordentlich Zeit. Erst um 10 lassen wir die Packrafts zu Wasser und schippern durch den Rosendorfer Kanal zum Sedlitzer See.
Über den geht es direkt zum Ilse-Kanal. Zumindest theoretisch. Anfangs ist der See noch spiegelglatt. Am anderen Ufer machen wir eine Stelle mit einem großen gelben Bagger als unser Ziel aus. Glücklicherweise verifizieren wir das nach halber Strecke nochmal, denn der Ilse-Kanal liegt viel weiter rechts. Dazu kommt auf einmal ein heftiger Gegenwind mit kräftezehrendem Wellengang auf.


Die Arme schmerzen, aber es hilft ja nix. Sobald wir mal eine kurze Pause einlegen, treiben wir sofort zurück. Also weiter. Und weiter. Immer um die gelben Bojen herum Richtung linkem Windrad. Wir schwenken einmal nach links und endlich – endlich kommt der Wind von hinten. 😅
Die ampelgesteuerte Durchfahrtszeit für muskelbetriebene Kleinboote im Ilse-Kanal schaffen wir gerade so. Der Tunnel, durch den auch Radfahrer fahren dürfen, ist herrlich atmosphärisch! Kaum raus, sind wir auch schon auf dem letzen der fünf Seen angekommen: dem Großräschener See. Hier finden wir eine kleine Bucht und machen erstmal eine genüsslich lange Ess- und Badepause.



Großräschener See zum Senftenberger See – zu Fuß
Die brauchen wir auch, denn jetzt wartet der lange Wanderteil auf uns. Neun Kilometer bis zur Einstiegsstelle am Senftenberger See. Denn eine Wasserverbindung vom Großräschener See gibt es (noch?) nicht. Also Boote ausgeladen, alles im Rucksack verstaut, Boot oben drauf und los. Die Strecke führt entlang blühender Felder, vorbei am schimmernden Sedlitzer See und durch das beschauliche Örtchen Sedlitz selbst.


Es ist schwer, es ist heiß. Aber wir haben schon schlimmeres gemacht. 😂 Und so läuft sich die Strecke Kilometer für Kilometer weg. Zumal die bevorstehende Einkehr in der Lutki-Hütte wie eine Möhre vorm Esel für uns wirkt.



Kurz vor 16 Uhr erreichen wir sie dann. Zur Belohnung gönnen wir uns kühle Radler, klassischen Flammkuchen und Soljanka. Danach wartet die letzte Etappe auf uns. Also runter zum Ufer des Senftenberger Sees, Rucksäcke wieder ausgepackt, Boote wieder aufgeblasen, vollgepackt und los.


Ab jetzt will ich nur noch gemäßigte Paddelschläge machen. Einfach treiben lassen. Die Öffnungszeit im Eiscafé am Hafencamp schaffen wir ja eh nicht mehr… bis wir feststellen, dass wir sie doch schaffen könnten. Das war‘s dann mit gemäßigt. 😅 Und dann … dann gibt es nicht mal Haferkekseis. 🥲
Nach 35 Kilometern ist es also vollbracht: die Fünf-Seen-Ein-Verbund-Runde. Senftenberger See – Geierswalder See – Partwitzer See – Sedlitzer See – Großräschener See 🌊


Fazit
Dieses Micro-Abenteuer auf der Lausitzer Seenkette ist eins meiner absoluten Highlights in diesem Jahr! Die Region bietet – für mich – ein ausgewogenes Verhältnis an notwendiger Infrastruktur und Ruhe in der Natur. Die Seen sind wunderbar klar, teils karibisch türkis und die umliegenden Wälder runden die Szenerie ab. Natürlich sind auch Motorboote auf den Seen unterwegs, aber durch die Größe der Gewässer verliert sich das schnell. Sehr oft war ich einfach nur ganz allein für mich. Abgesehen vom Rostigen Nagel, der – zurecht – ein beliebtes Ziel ist. Neben einem erstklassigen Ausblick bekommt man hier aber auch gleich noch einen Happen zu essen und das süffige Grubenradler, das ich sehr empfehle.
Unterkünfte
Wer es lebendig und etwas komfortabler mag, der ist am Senftenberger See mit seiner Vielzahl an unterschiedlichsten Unterkünften bestens aufgehoben. Willst du es lieber ruhiger haben, sind der Partwitzer See, Sedlitzer und Großräschener See gute Basiscamps. Der Geierswalder See befindet sich ausstattungstechnisch so dazwischen. Aktuell entstehen auch immer noch neue Marinas, Camps und vielerlei Übernachtungsangebote.
Paddeln auf den Lausitzer Seen
Die Gewässer sind entspannt zu paddeln und durchaus auch an einem Tag erkundbar. Klassische Kajaks und Kanus lassen sich vom entgegenkommenden Wind ja nicht so beeindrucken wie unsere Packrafts, die am Tag nicht ganz so viele Kilometer schaffen. Für Wasserwanderer gibt es günstig gelegene Übernachtungsangebote – allerdings noch nicht an allen Seen.
Wer meine Runde nachvollziehen möchte: Hier findest du sie. Und falls du nicht mit dem Packraft unterwegs bist, sondern mit einem Kajak, Kanu oder Ähnlichem und nicht wandern willst, habe ich der Collection zwei geplante Paddeltouren als Rundkurse ab dem Senftenberger beziehungsweise Geierswalder See hinzugefügt. Damit du besser planen kannst, habe ich auch Infopunkte an den Einfahrten zu den Kanälen angelegt, die dir verraten, wann du in welche Richtung fahren darfst. Viel Vergnügen!
