Bikepacking von Falkenberg nach Jüterbog

Dem Auerhahn auf der Spur

Tag 1: Mit Kohle, Wind & Wasser in die Rochauer Heide

Das Wetter schickt sich an, schön zu werden. Also geht’s raus. Diesmal mit dem Bike. Um kurz nach 7 stehe ich am Bahnhof und nehme den so gut wie leeren Zug nach Falkenberg/Elster. So leer, dass nicht mal die Tickets kontrolliert werden.

Von da an ist erstmal ein bisschen Sightseeing angesagt. Und das besteht in dieser Region hauptsächlich aus Orten mit Kohlebezug. Da wäre zuerst der Aussichtsturm über das Restloch 124. Ein guter Einblick, wie der Braunkohleabbau der Natur zugesetzt hat. Weiter geht es zur Brikettfabrik Louise, der ältesten noch erhaltenen Brikettfabrik der Welt – leider finden Führungen erst wieder ab Mai statt. Auch die stolze Bockwindmühle Trebbus ist Teil der „Kohle, Wind und Wasser“-Themenwege. 

Apropos Wasser: Dass die Wasserversorgung auf den Friedhöfen noch winterbedingt abgestellt ist, daran hatte ich nicht gedacht. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als eine nette Dame in Trebbus um 2,5 Liter Leitungswasser zu bitten – gegen einen Obolus, versteht sich. Den lehnt sie allerdings ab, versorgt mich aber mit dem nötigen Wasser und ist etwas bestürzt, dass ich allein unterwegs bin.

Als ich nach rund 43 Kilometern auf die Uhr schaue, stelle ich fest, dass ich irgendwie früh dran bin. Nun hab ich auch keine unanständig langen Pausen eingelegt, aber schnell fahre ich ja nun auch nicht. Statt ewig am Ziel im Wald rumzulungern, beschließe ich kurzerhand, einen Schlenker zur Gaststätte „Wilder Eber“ zu machen und mir ein Radler zu gönnen. Aus dem Radler wird zusätzlich die beste Wildsuppe, die ich je gegessen habe und ein Stück Apfelstrudel mit Vanilleeis. Danach aufzubrechen, fällt mir doch schwer – zumal die Gaststätte auch gemütliche Zimmer bietet.

Den Schweinehund überwindend schwinge ich mich für den Endspurt aufs Rad und werde kurze Zeit später Zeuge, dass die auf Infotafeln dargestellte Wiedereinführung des hier ausgestorbenen Auerhahns erfolgreich zu sein scheint. Furchtlos und stolz sitzt der riesige Hühnervogel auf einem Jägerstand und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Eine Begegnung, nicht alles andere als alltäglich ist.

Von hier ist es nun nicht mehr weit bis zum Ziel: eine kleine Picknickhütte mitten im Wald. Der Hügel, auf dem sie sich befindet, ist doch höher und steiler als erwartet. Mit viel Ach und ein wenig Krach bekomme ich das schwere Rad nach oben geschoben. Das Abendessen fällt heute aus. Ich hab ja schon geschlemmt. Stattdessen genieße ich die Ruhe in der illuminierten Hütte und krieche beizeiten zum Ruf des Käuzchens ins Bett.

Tag 2: Über den Fläming Skate und sandige Wege nach Jüterbog

Schon lange habe ich draußen nicht mehr so gut geschlafen wie an diesem Plätzchen. Bis 21 Uhr kauzte noch ein Käuzchen in der Ferne, danach herrschte absolute Stille. Kein Wind, einfach nix. Da zu dieser Jahreszeit die Sonne nun doch schon früher aufgeht, bin ich um 6.30 Uhr wach und bereit für den ersten Kaffee. Danach folgt ein Kakao. Drei Stunden prokrastinieren später mache ich mich dann doch auf den Weg.

Erst geht es einen schon in die Jahre gekommenen Lehrweg entlang, dann wechseln sich Asphalt und Schotterwege ab. Der Windpark lässt Erinnerungen an den Pacific Crest Trail wach werden und schon nach 13 Kilometern treffe ich auf den Fläming Skate. Feinster Asphalt lässt mich schnell rollen und die kleinen Rastplätze verlocken zu Pausen in der Sonne.

Auf der knallrosa Kiekebank wird natürlich ein Foto mit Hilfe des „Foll Fostens“ geschossen, dann kämpfe ich mich wieder mal über zerfurchte Wald- und Feldwege (Dank an die Holzwirtschaftsfahrzeuge) und dann stehe ich auch schon nach 46 Kilometern im Zentrum von Jüterbog – ganz zu meiner eigenen Überraschung, denn ich war fest der Meinung, das Ziel der Tour auf den Bahnhof gelegt zu haben. Nun denn, drei weitere Kilometer unter den schmerzenden Hintern genommen und schon ist die schöne Bikepacking-Tour Geschichte.

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