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Über Sandwood Bay zur Strathcailleach Bothy

3–4 Minuten

Im Sonnenuntergang zur Sandwood Bay

Mit Holzscheiten in jeder verfügbaren Rucksacktasche und auf dem Rucksack drauf, stiefeln wir um 14 Uhr los zur Strathcailleach Bothy. Die Sonne steht um die Zeit so tief, dass es uns vorkommt, als sei es bereits 17 Uhr. Aber immerhin haben wir Sonne! ☀️

Die Strecke bis zur traumhaften Sandwood Bay folgt einem Teil des Cape Wrath Trails, der schon lange auf meiner Liste steht. Gut ausgebaut und relativ trocken bringt er uns zum Strand, wo wir uns am Panorama nicht sattsehen können. Die Rechnung für die Trödelei kassieren wir prompt, denn die Sonne verschwindet bereits am Horizont.

Übrigens: Der Legende nach wird der Strand vom Geist eines bärtigen Seemanns mit Messingknöpfen auf der Jacke bewacht, der dort einst bei einem Schiffbruch sein Leben verlor. Auf stürmischen Nordatlantik-Winden reitend, soll er nachts lautstark an die Fenster der verfallenen Strandhütte klopfen und einsamen Wanderern zurufen, dass dieser wilde Ort ganz allein ihm gehöre. Amazon ist bei dem Gedanken doch ein wenig mulmig.

Genau jetzt könnten wir Tageslicht brauchen, denn es geht ein Stück cross-country die Hügel hinauf und dann durch gut gesättigtes Moorland. Da meine Füße nach der Flussquerung am Strandende eh schon klatschnass sind, trage ich es mit Fassung. Entgegen jeder Vernunft weigern wir uns bis zur Ankunft an der Bothy, unsere Stirnlampen rauszuholen und landen dadurch immer wieder in knöcheltiefen Wasser- und Schlammlöchern.


Mit triefenden Schuhen freuen wir uns beim Betreten der Bothy, diese wieder für uns allein zu haben. Rund vier Stunden halten uns die mitgebrachten Holzscheite warm, dann ist es Zeit, in die Schlafsäcke auf der schmalen Holzplattform im Nebenraum zu kriechen. Gegen 19 Uhr zieht draußen die erwartete Schlechtwetterfront auf. Sturm und Regen erwarten uns morgen. Aber darum machen wir uns morgen früh Gedanken. 😅

What a difference a day makes

Die ganze Nacht hämmert der Wind den Regen gegen die Steinwand der Bothy. Noch im Dunkeln – um 7.30 Uhr – schwant uns Böses, als wir bei Kaffee und Tee die nahende Rückwanderung gedanklich ausblenden. Und noch ein wenig länger die Gemütlichkeit der urigen Strathcailleach Bothy mit den Bildern und Geschichten des ehemaligen Bewohners Sandy genießen. Nein, der Geist der Sandwood Bay ist es (wahrscheinlich) nicht, der an unsere Tür klopft. Nur das übliche schottische Wetter. Und so vergeht eine Stunde nach der nächsten, die wir den Aufbruch hinauszögern.

Um 10 Uhr streifen wir dann doch angewidert die nassen Socken über, schlüpfen in die klammen, kalten Schuhe und verlassen seufzend den Schutz der urigen Bothy. Der Wind pfeift uns um die Ohren, während wir im Tageslicht ein wenig besser erkennen, wenn wir in ein Schlammloch treten. Mal begleitet uns Sprühregen, mal horizontale Wasserbestrahlung.

Trotzdem macht der Weg erstaunlich viel Spaß – wir waren ja mental bereits darauf eingestellt. Was uns vor eine etwas größere Herausforderung stellt, ist die Durchquerung des Ablaufs von Sandwood Loch, einem massiven See, der sich direkt in den Atlantik entleert. Was gestern noch unangenehm, aber machbar war, ist heute durch den Regen zu einem reißenden, breiten Fluss angeschwollen.

Wir tigern hin und her, überlegen, ob es sinnvoll ist, dort zu furten, wo der Fluss auf die entgegenrollende Meeresflut trifft. Die Strömung ist dort jedoch so stark, dass wir uns dagegen entscheiden und dort queren, wo wir es bereits gestern getan haben. Trekkingstöcke in den Boden rammend, versuchen wir uns auf den glitschigen Steinen durchs das knietiefe reißende Wasser entgegen der Strömung zu kämpfen – und schaffen es auch, ohne dass eine von uns ins Meer gespült wird.

Der Rest der Weges ist unspektakulär. Wir geben Gas, um warm zu bleiben und freuen uns auf die Heizung im Mietwagen. Und trotz allem: Es hätte alles schlimmer sein können… wäre der Wind von vorn gekommen. 🌬️

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