Mit dem eigenen Packraft ins nächste Outdoor-Abenteuer?
Mal eben nach Feierabend die Tasche packen, raus in die Natur und mit dem eigenen Boot aufs Wasser? Das klang für mich in einem endlosen, heißen Sommer einfach zu verlockend. Doch wer schon mal nach dem perfekten Paddelboot gesucht hat, kennt das Problem: Unkompliziert und leicht soll es sein. Die meisten klassischen Einer-Kanus wiegen stolze 11 Kilo, Zweisitzer sogar 17 Kilo – für mich allein viel zu schwer zum Schleppen! Und die leichteren Alternativen? Oft kompliziert aufzubauen. Ich kenne mich schließlich selbst: Wenn der Aufbau zu viel Zeit frisst, bleibt das Boot am Ende doch nur im Keller liegen.
Die Rettung kam bei einem Bummel durch eine Globetrotter-Filiale: Ein Packraft! Nach einer kurzen Testrunde im Store-Pool und intensiver Online-Recherche lieh ich mir kurzerhand ein MRS Microraft (Größe L) beim Packrafting-Store für ein Wochenende aus. Mein Plan: Mit dem Bus zum Wannsee und über zwei Tage gemütlich zurück nach Hause paddeln – inklusive Solo-Übernachtung im Wald.
Der erste Test: Freiheit im Rucksack
Das Geniale am Packraft: Unaufgeblasen ist es so kompakt, dass es problemlos ganz unten in meinen Trekkingrucksack passte, direkt neben Hängematte, Isomatte, Schlafsack und Kocher.
Am Wasser angekommen, war das Boot dank des mitgelieferten Pumpsacks in gerade einmal 5 Minuten startklar. Rucksack mit ein paar Zurrgurten vorne auf dem Bug fixiert – und los ging das Abenteuer! Super easy, genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Ich kam erstaunlich schnell voran. Trotz super entspanntem Paddeln lag mein Schnitt bei etwa 4 km/h. Die Seenkette rund um Potsdam lud mich regelrecht dazu ein, die Tour spontan zu verlängern. Klar, die schnittigen Kayaks zogen an mir vorbei, aber mir ging es ja nicht um Schnelligkeit, sondern ums Genießen. Einziges Learning der Tour: Bei Gegenwind und Wellen auf dem großen Wannsee muss man im Packraft ordentlich kämpfen, da es durch seine Form recht windanfällig ist.


Trotzdem war ich schockverliebt. Am Ende der Tour hieß es einfach: Luft raus, zusammenrollen, an den Rucksack schnallen und entspannt zum Bus wandern. Kaum war das Leihboot zurückgeschickt, zog auch schon mein eigenes, blaues Microraft bei mir ein.
Ein Sommer voller Paddel-Glück
Weil das Boot an sich schon eine Investition ist, habe ich beim Zubehör gespart und mich für das günstige Basis-Alupaddel (ca. 60 €) entschieden. Gewichtstechnisch nimmt es sich kaum etwas zu den teuren Modellen, auch wenn das Material mit der Zeit minimal Spiel bekommt. Für meine Zwecke perfekt!
Es folgten traumhafte Touren:
- Ein Mini-Overnighter auf der Müggelspree: Von Fürstenwalde nach Berlin-Erkner. Die leichte Strömung trieb uns sanft voran und das Packraft bewies in den engen Kurven seine enorme Wendigkeit. Mein ganzes Camping-Equipment fand problemlos Platz.
- Flusswandern auf der Spree: Hier spielte das Packraft mit seinen gerade einmal 2,5 kg sein absolutes Ass aus. Bei Wehren, die nicht befahrbar waren und Schleusen, die uns zu lange dauerten, hieß es einfach: Rucksack auf den Rücken, Boot unter den Arm geklemmt und lässig vorbeigewandert. Alleine mit einem schweren Kayak wäre das undenkbar gewesen!
- Feierabend-Paddeln & Karibik-Feeling: Ob ein kurzer Auspaddler zum Abschalten nach der Arbeit auf dem Teltowkanal oder Urlaubsflair auf dem türkisfarbenen Gremminer See – das Boot ist mein Ticket in die Freiheit.




Das ultimative Abenteuer: Wüsten-Paddeln auf dem Colorado-River
Schon beim Kauf hatte ich diesen einen Traum: Mein Packraft mit in die USA zu nehmen. Einmal auf dem legendären Colorado River paddeln! Nach meinem erfolgreichen Finish auf dem Arizona Trail war es so weit. Mit einem 7-Tages-Rucksack inklusive Proviant, Wasser und dem Boot ging es hinein in den Canyonlands Nationalpark in Utah.
Bei 35 Grad Hitze mit einem Boot auf dem Rücken durch die staubtrockene Wüste zu wandern, fühlt sich im ersten Moment total verrückt an. Aber nach anderthalb Tagen Fußmarsch durfte das Packraft endlich ins Element. Vier Tage lang trug es mich tapfer durch die atemberaubenden, heißen Canyons des Green River. Ich konnte oft einfach die Beine ausstrecken und mich treiben lassen. Selbst die gefürchteten Stromschnellen des mächtigen Colorado Rivers meisterte das kompakte Boot dank seiner tollen Steuerbarkeit ohne Probleme.



Mein Fazit: Lohnt sich das Packraft?
Ich habe den Kauf bis heute keine einzige Sekunde bereut. Für mich ist es das ultimative Tool für maximale Unabhängigkeit als Outdoor-Frau. Und über die Jahre sind noch zwei weitere Packrafts in meinem „Hafen“ eingezogen.
Du musst dir vor dem Kauf über folgende Punkte im Klaren sein:
- Durch die breite Form bist du langsamer als in einem klassischen Kayak und schaffst weniger Kilometer pro Tag.
- Das Boot ist windanfälliger und hat nicht denselben stabilen Geradeauslauf wie ein langes Kayak.
Dafür bekommst du aber unbezahlbare Vorteile:
- Grenzenlose Mobilität: Dank des minimalen Gewichts und Packmaßes sind kombinierte Wander- und Paddeltouren ein Traum.
- Blitzschneller Einsatz: In wenigen Minuten aufgepumpt und startklar.
- Enorme Wendigkeit: Perfekt für kleine, kurvige Flüsse und Strömungen.
- Absoluter Komfort: Man kann sich herrlich hineinflegeln, die Seele baumeln lassen und trotzdem entspannt paddeln.
Wenn du also keinen Wert auf sportliche Höchstgeschwindigkeiten legst, sondern die perfekte Kombination aus Wandern, Paddeln und maximaler Flexibilität suchst, dann wirst du dein Packraft genauso lieben wie ich!
Warst du schon mal mit dem Packraft unterwegs oder überlegst du noch? Schreib mir deine Fragen oder deine liebsten Paddel-Spots!
